Slamtexte

Klage eines verzweifelten Allergikers im Frühling

Die Sonne scheint, es lacht das Herz,
Ich würd` gern vor die Tür geh`n wollen.
Aber ich bleibe lieber drin,
Denn draußen fliegen Birkenpollen.

Gräser, Sträucher und auch Bäume,
Alles grünt, und alles blüht.
Spritzen haben nicht geholfen,
Vielleicht hilft ja der Suizid.

Der Weichensteller

Ein Weichensteller denkt bei sich:
„Der Job ist einfach widerlich,
Tagein, tagaus muss ich die Weichen,
So stell`n, dass die immer gleichen
Züge auf den gleichen Gleisen
In die gleiche Richtung reisen.
Die Züge meiner Märklin-Bahn
lass ich gern ineinander fahr`n.
Das ist beinah` mein Lieblingsspiel
Wie schön wär` das im großen Stil!“

Schnell sind zwei Züge `rausgesucht
Die für gewöhnlich ausgebucht,
Und die mit einem Affenzahn
Leute durch die Gegend fahr`n.
Kurz fragt er sich noch nach dem Ort
Des Unfalls: „Och, am besten dort,
Wo jede Menge Menschen wohnen,
Es soll sich schließlich richtig lohnen.“

Dann ist`s soweit und keiner ahnt
Welch Katastrophe sich anbahnt,
Von links und rechts je eine Bahn
Sieht man dem Unglücksort sich nah`n.
Der Weichensteller steht gebannt
Und weiß, nun hat er`s in der Hand.
Er murmelt bös in sich hinein:
„Ich werde euer Schicksal sein!“

Kaum ist die Weiche umgelegt,
Wird er auf`s Äußerste erregt,
Erleidet einen Herzinfarkt,
Und wird anschließend eingesargt.
So liegt der fiese Weichensteller,
Nun ebenfalls im Leichenkeller.

Denn ungewiss ist Gottes Plan,
Genau wie der der Deutschen Bahn.

Relativität

Manchmal spring` ich auf vom Sessel,
Laufe zur Tür raus, hinter`s Haus,
Steh` im Hof und schau durchs Fenster.
Von weitem siehst Du besser aus!

Unter Strom

Ein Rehpinscher streift ganz allein
Durchs Abendrot und hebt sein Bein
Mal eben auf die Schnelle
An einer Großbaustelle.
Er pfeift sich eins und uriniert;
Ein Stromkabel – nicht isoliert –
Liegt leider dem Pipi im Wege
Und bringt den Pinscher in die Schräge.

Kurz drauf gibt es im Hundehaus
Den großen Chappie-Leichenschmaus.
Die Pinscherfreundin jault und weint
Und trauert um den Pinscherfreund
Und alle Hunde spekulieren:
Wie konnte so was bloß passieren?
„In letzter Zeit,“ hört man am Rand,
„War er oft so angespannt!“

Die Maulwürfe

Es lief durch den Berliner Zoo
Ein Maulwurfspaar aus Gütersloh.
Die beiden waren – klar – stockblind,
Wie Maulwürfe nun einmal sind,
Drum wurden sie von den Insassen
Des Tierparks gänzlich kalt gelassen.
Sie sagten beim nach Hause gehn:
„Hmm, – viel gab`s hier ja nicht zu sehn!“
Merke: Es taugt die eigne Sicht
Als allgemeiner Maßstab selten.

Das Schaf

Ein Schaf wird wieder mal geschoren,
Am Bauch, am Hals, hinter den Ohren.
Es rattert laut die Schermaschine,
Das Schaf verzieht nicht eine Miene.
Bloß hinterher hört man es sagen:
„Ich könnt` was After Shave vertragen!“

Was ist vom Schnee zu halten?

„Ach du wundervolle weiße
Winterwelt“, ruf ich seit Jahren.
„Jedes Jahr dieselbe Scheiße“,
rufen die, die Auto fahren.

Wer hat recht, ich oder jene,
Die beim Eiskratzen sich schinden
und die ganze Winterszene-
rie schlichtweg zum Kotzen finden?

„Ist`s nicht schön“, frag ich, „wenn Schneege-
stöber uns Romantik schenken?“
„Und wer kehrt die ganzen Wege?“,
fragen die, die praktisch denken?

Andern ist es einerlei,
der Schnee bleibt eh nicht lange liegen.
Übrig bleibt so`n brauner Brei,
bloß gut zum Auf-die Fresse-fliegen.

Und so bleiben auch in diesem
Falle Fragen über Fragen.
Spricht man von Schnee nun als von Fiesem
Oder Schönem? Schwer zu sagen!

Unseriöses Naturgedicht

Vogelgezwitscher, Sonnenschein,
Ich packe ein paar Sachen ein,
Schwing mich auf`s Rad, es blüht der Flieder,
Am See im Wald lass ich mich nieder.
Beginne dort, mein Brot zu essen,
Stress und Alltag zu vergessen.
Doch – nah am Ufer streiten Schwäne,
Er hätt` Lust – sie hat Migräne.

Schilderung eines durchschnittlichen
Liebesaktes

Zuerst ein Streicheln, zarte Küsse,
das Spiel eröffnet er, – wie immer.
Ein sanftes Flüstern, kleine Bisse,
dann schiebt er sie in`s Nebenzimmer.

Schon atmen sie in kurzen Stößen,
man hört Gesauge und Geschlecke,
Sie fangen an sich zu entblößen,
sein Genital zeigt Richtung Decke.

Jetzt das Verschmelzen, immer wilder,
– vor Anstrengung verzerrte Mienen -,
wird sich bewegt, man kennt so Bilder
aus unseriösen Magazinen.

Ein letztes Stöhnen, und es lösen
sich ihre eng umschlungnen Glieder.
Sie liegt da, fängt an zu dösen.
Er sagt: „Du, ich könnt` schon wieder!“

Beitrag zur Völkerverständigung

Ich mag die Holländer
mit ihrem lustigen Akzent,
Den man von de Mol, Carell
und Harry Wijnvoord kennt.

Hollandhasser denken meistens
– ziemlich farbenfroh-,
an gelbes Nummernschild
und orangenes Trikot.

Ich denk` eher an Gouda
und an annehmbares Bier.
Vor allem auch an Fahrradwege,
Breit wie die A4.

Kurz: Man kann den Holländern
und Holländerinnen
Wie den meisten Völkern
sehr viel Gutes abgewinnen.

Nur von ihren Tomaten
ist dringend abzuraten.

Aus gegebenem Anlass

Du sagst, Töten ist verboten,
Und Du sprichst von Nächstenliebe.
Is` schon richtig, doch ich finde,
Das gilt nicht für Fahrraddiebe.

Mit Dir

Mit Dir würd` ich ganz gerne mal
Das Matterhorn besteigen.
Ich wünschte, ich hätt` Briefmarken,
Dann könnt` ich Dir die zeigen.

Dir zuliebe würde ich
Sogar den Nil durchschwimmen,
Wenn`s sein müsste im Fitnessstudio
Meine Muskeln trimmen.

Würd` für Dich in den Boxring steigen,
Kämpfen wie ein Stier.
Aber jetzt geh`n wir erst mal in`s Kino
Und fahr`n hinterher noch zu mir.

Schlimme Dinge klingen auch
in Verse verpackt nicht besser

Mach mir das Leben leicht,
Lass mich Dich nicht mehr mögen.
Ich will Dich zu den Akten legen,
Will sagen: „So, das reicht!“

Sieh es doch einfach ein,
Mach uns das Leben nicht so schwer.
Sag Dir doch einfach: „Bitte sehr,
Es hat nicht sollen sein.“

Wenn ich an Dich denk, muss ich gähnen,
In meinen Träumen, meinen Plänen
Da hast Du keinen Platz.

Bin früher fast nach Dir verschmachtet,
Da war ich geistig wohl umnachtet.
Leb wohl, mein Schatz!

Zukunftsängste

Ich säße gern am Frühstückstisch
bei teuren Konfitüren,
bei Schampus und bei Kaviar
Und hätte Starallüren.

Wenn man…naja, ich sag jetzt mal
kein Meister des Gesangs ist
und nicht so toll Gitarre spielt,
wüsst` gern, wie groß die Chance ist,

trotzdem so`n Leben führen
zu können.